Medium Panorama

Durch sämtliche Zeitalter der Kunst- und Mediengeschichte war es ein Wunsch des Menschen, Illusionen zu erzeugen und der Sehlust zu frönen: aus purem Vergnügen aber auch um eine verstärkte emotionale Bindung zwischen dem Betrachter und einer Geschichte herzustellen. Gegen Ende des 18. und im 19. Jahrhundert entwickelten sich neue Medien, die die Welt möglichst wirklichkeitsgetreu nachzubilden versuchen. Mit allen möglichen optischen und modernsten technischen Tricks wurde dem Publikum die Illusion vermittelt, mitten im Geschehen zu sein: Im Schlachtgetümmel zusammen mit grossen Helden, als Augenzeuge bei der Kreuzigung Jesu, als mutiger Bergsteiger hoch oben auf dem stolzen Gipfel, als kreisender Vogel über der eindrücklichen Architektur der Stadt. Aus der allgemeinen Sehlust erwuchs eine eigentliche Seh-Sucht. Ein Meilenstein im Schaffen von Illusionswelten bildeten dann die sogenannten Grand Panoramen. Sie waren die Sensationen der Vorkinozeit.

Was Edouard Castres 1881 auf die Leinwand des Bourbaki Panorama gemalt hat – und was mit Faux-Terrain und einer Geräuschkulisse ergänzt wurde, um die Grenzen zwischen dem Rundbild und dem umgebenden Raum weiter zu verwischen  – darf als eine der Urformen von Virtual Reality beschrieben werden.

Blogeintrag Illusionstechniken
Chronologie Optische Apparate

Facts

1881 Gemalt von Edouard Castres in Genf
1889 Umzug nach Luzern in die neue Rotunde
1996-2003 Komplettsanierung Gemälde und Gebäude
2008 Erneuerung Vorgelände (Faux-Terrain)
Technik Öl auf Leinwand
Malgewebe Leinwand / Jute, 17 Gewebebahnen
Masse 10 x 112 m (ursprünglich 14 x 112 m)


Im Bourbaki-Blog finden Sie weitere spannende Fakten, Geschichten und Hintergrundinformationen zum Bourbaki Panorama und zum Medium Panorama.


Edouard Castres

Castres war ein Maler mit einer Mission. Der Maler des Bourbaki Panorama Rundbildes weiss genau, was er auf die Leinwand bringen will. Edouard Castres (1838–1902) hat als freiwilliger Sanitäter beim Roten Kreuz den Grenzübertritt in Les Verrières selber miterlebt. Seine realistische Darstellung des Kriegselends, die sich auf die individuellen Schicksale konzentriert, ist auch ein Weckruf für den Frieden.

Kompositorisch muss Castres verschiedene Herausforderungen bewältigen. Eindrücklich gelingt es ihm, das langgestreckte Val de Travers auf eine kreisrunde Leinwand zu bringen. Ausschlaggebend für die Wirkung ist auch die Wahl der «idealen Mitte» des Panoramas. Er konstruiert einen Standort, von dem aus die Landschaft und das Geschehen bis weit ins Tal hinein überblickt werden können. Castres realisiert das Rundbild 1881 in Genf mit einem Maler-Team, das er zum Teil aus den Reihen der Schüler von Barthélemy Menn rekrutiert. Zu ihnen gehört auch der junge Ferdinand Hodler.

Die Maler

Edouard Castres rekrutierte einige seiner Malergehilfen unter den Schülern von Barthélemy Menn, unter ihnen auch der junge Ferdinand Holder. Menn war der Lehrer Ferdinand Hodlers und der Maler, der die französische Pleinairmalerei in der Schweiz etablierte.

Zitat

«Edouard Castres bleibt trotz der Qualität und Varietät seines Werkes ein bis heute unterschätzter Künstler.»

Pierre Bosson, «Edouard CASTRES (1838-1902) – Grand peintre genevois méconnu et les Bourbaki»


Restaurierung

1000 Quadratmeter Bild brauchen Pflege! Im Verlauf der Jahrzehnte hat das 1881 geschaffene Rundbild von Edouard Castres beträchtliche Schäden erlitten. Der Verein Bourbaki Panorama Luzern wird 1979 gegründet, um das einzigartige Rundbild vor dem Zerfall zu retten und die Restaurierungsarbeiten zu finanzieren. 1996 setzen die ersten Sicherungs- und Konservierungsarbeiten am über tausend Quadratmeter grossen und ebenso viele Kilogramm schweren Gemälde ein.

In den nächsten sieben Jahren erfolgen in mehreren Phasen weitere, teils spektakuläre Eingriffe. Es gilt, grosse Faltenwürfe aus dem Gemälde zu entfernen und die durch Russablagerungen stark verschmutzte Oberfläche zu reinigen. Aufwendig ist auch das Verkleben der über tausend Löcher und Risse in der Leinwand. Dazu wird eine eigens dafür entwickelte Methode eingesetzt. Um den Zustand des Bildes langfristig zu stabilisieren, werden eine Klimaanlage eingebaut und die Dachfenster aus Glas erneuert. Die Erhaltung und die regelmässige fachliche Betreuung des Bildes gilt es auch in Zukunft sicherzustellen.

Der Verein Bourbaki Panorama Luzern unterstützt die Erhaltung des Bourbaki Panorama mit Mitgliedschaften und Spenden.