Malerpalette für Edouard Castres

Im Fundus des Bourbaki Panorama findet sich eine besondere Trouvaille: Eine Malerpalette, bemalt mit der verblüffend fotografisch wirkenden Darstellung eines genüsslich an einer Pfeife rauchenden jungen Mannes, der mit überschlagenen Beinen in der Hängematte liegt. Entspannt und stolz auf sein soeben vollbrachtes Meisterwerk fällt ihm gerade der Pantoffel vom rechten Fuss. Im Hintergrund die Genfer Panoramarotunde, geschwächte, durch den Schnee stapfende Bourbaki-Soldaten und solche hoch zu Ross. Und in einem schwarzen Fleck fast versinkend die Weinflasche und das noch (oder schon) leere Glas ... Farbkleckse umrunden das stimmungsvolle Bild. 

Beim Mann in der Hängematte handelt es sich um Edouard Castres, den Hauptmaler des Bourbaki Panorama. Der Genfer Email- und Portraitmaler zog als freiwilliger Rotkreuzhelfer 1870 in den Deutsch-Französischen Krieg und erlebte die Internierung bei Les Verrières eigens mit. Anschliessend skizzierte er seine Erinnerungen mit den in Paris an der Ecole des Beaux Arts erworbenen Fähigkeiten während fünf Jahren. Die realistische Darstellung von individuellen Schicksalen im Kriegselend ist ein Weckruf für den Frieden. Das Genfer Rundbild (112 x 10 m, ursprünglich 112 x 14 m) gelangte 1889 nach Luzern in das gerade frisch eröffnete Panoramagebäude.

Unbestritten war die Herstellung des Panoramabildes ein beachtlicher Kraftakt: Mit langen Pinseln auf einem Gerüst vor der Leinwand stehend fertigten die elf Maler das Werk in nur fünf Monaten an – verständlich daher die Sehnsucht nach ein bisschen Musse ...

Signiert ist die Darstellung von Henri Hébert, einem jüngeren Maler der Genfer Schule. Hébert erlaubte sich offenbar einen schalkhaften Streich mit seinem Chef: So lauschig wie auf dem Bild mochte es damals während des Malens nicht zu- und hergegangen sein. Womöglich aber dann «après le panorama» ...

Text: Barbara Steiner, Bourbaki Panorama Luzern 
Foto: Bourbaki Panorama Luzern 

Hinweis:
Vertreterinnen und Vertreter des Vereins Museen Luzern stellen wöchentlich eine Trouvaille aus ihrem Fundus an Objekten und Geschichten vor.

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