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Bourbaki-Biscuit

An der aktuellen «Trouvaille» bissen wir uns heute vermutlich kräftig die Zähne aus: Das historische Gebäck ist nämlich bereits 149 Jahre alt. Obgleich es mit der Härte in Zusammenhang mit Militär-Biscuits nicht weit her ist: Gemäss einer Anekdote der Schweizer Armee sei gar einmal einer mit dem sogenannten «Bundesziegel» totgeschlagen worden ... 

Zurück zum Bourbaki-Biscuit. Hier ist der Name Programm: Bis-cuit steht für «zweimalgebacken». Mit der «Verzwiebackung» des sonst roh mitgeführten Getreides konnte die Transportlast der Soldaten verringert werden. Vom Biscuit-Trick inspiriert war auch der französische Kaiser Napoleon I. Unter ihm wich das vorher übliche «pain de munition» dem raffinierteren Gebäck aus Weizen und Roggen mit einem besonders hohen Kleieabzug. Der Teig enthielt kein Salz und nur gelegentlich etwas Hefe und wurde bis zur Austrocknung gebacken. Allerdings war das Bourbaki-Biscuit nur schwer kaubar und habe sich auch beim Tunken in die Suppe nur sehr zaghaft durchnässt. Unsere heutige Vorstellung einer süssen Köstlichkeit dürfte dieses historische «Feingebäck» ziemlich herausfordern.

Die Bourbaki-Soldaten verschenkten ihren hartgebackenen Proviant gelegentlich als Souvenir: In der Schweiz sind 40 bis 50 Exemplare erhalten – eines davon befindet sich im Fundus des Bourbaki Panorama. Seine verblichene Inskription handelt vom «février 1871» ...

Weit mehr Informationen enthält das «Guetsli» der Luzerner Bäckereifachschule Richemont. Entlang der einen Ecke steht notiert: «3 Biscuits für 5 Tage.» Und im Herzen eingeritzt: «Erinnerung an den Krieg von 1870 und an die Bourbaki-Armee». Letzteres wurde nachträglich korrigiert:  Über «Bourbaki-Armee» steht bogenförmig «Rückzug der» eingraviert. Zweifelsohne: Die Erfahrung der Flucht und des Rückzugs hatte die Bourbakis bis aufs Existenzielle – bis aufs Brot – geprägt. Bleibt uns noch eine Frage: Wie gelangten eigentlich die Löcher ins Bourbaki-Biscuit?

Text: Barbara Steiner, Bourbaki Panorama Luzern 
Foto: Bourbaki Panorama Luzern

Hinweis:
Vertreterinnen und Vertreter des Vereins Museen Luzern stellen wöchentlich eine Trouvaille aus ihrem Fundus an Objekten und Geschichten vor.

Bourbaki-Biscuit mit Inskription. 1871.Mehl und Wasser. 12.5 x 12.5 cm. Bourbaki Panorama Luzern.
Bourbaki-Biscuit mit Inskription. 1871.Mehl und Wasser. 12.5 x 12.5 cm. Bourbaki Panorama Luzern.
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